Eine experimentelle Analyse der Facilitated Communication (FC)

BARBARA B. MONTEE, RAYMOND G. MILTENBERGER,
DAVID WITTROCK (NORTH DAKOTA STATE UNIVERSITÄT)



FC (Gestützte Kommunikation) ist eine Methode um intellektuell beeinträchtigte Personen zu unterstützen, damit sie kommunizieren können. Hierbei unterstützt ein Stützer die Hand der Person, während diese ihren Zeigefinger benutzt, um auf bestimmte Buchstaben auf einem Buchstabenbrett oder einer elektronischen Tastatur zu tippen. Laut Biklen u.a. ermöglicht FC Personen, die unter Autismus oder anderen Entwicklungsbeeinträchtigungen leiden, zu kommunizieren. Dass dies möglich ist, wurde als Zeichen dafür verstanden, dass sie nicht oder weniger intellektuell beeinträchtigt sind. Andere Wissenschaftler wie zum Beispiel Wheeler, Jacobson, Paglieri und Schwartz argumentieren, dass die Kontrolle des Stützers die plausibelste Erklärung für die getippten Nachrichten während einer FC Sitzung ist. Um dies zu beweisen wurden zahlreiche Experimente durchgeführt.

Personen, die eine unerwartete Fähigkeit zum Lesen und Schreiben entwickelt haben, wurden Bilder gezeigt. Mit Hilfe der Gestützten Kommunikation sollten sie einen Gegenstand auf einem Bild benennen. Die Studien zeigten, dass die Bezeichnung des Gegenstands nur dann korrekt eingetippt wurde, wenn dem Stützer das gleiche Bild gezeigt wurde. Wenn dem Stützer das falsche Bild oder gar kein Bild gezeigt wurde, war die Gegenstandsbezeichnung nie richtig. Biklen kritisierte an diesen Experimenten, dass zu viele Störvariablen nicht ausreichend kontrolliert wurden, wie zum Beispiel die experimentelle Laborsituation, die dazu führen kann, dass die Teilnehmer nervös sind, dass eine experimentelle Untersuchung das Vertrauen des untersuchten Paares beeinträchtigen kann, dass weder der Stützer noch das Paar zusammen im Vorfeld genug Training bekommen hatten und dass einige Teilnehmer unter Sprachverlust litten.

In der vorliegenden Studie wurden 7 Klient- Stützer- Paare untersucht, die die Methode FC bereits 6 bis 18 Monate angewandt hatten. Die Klienten waren Erwachsene, bei denen eine moderate oder schwere Retardierung (Zerebralparese, Epilepsie, Autismus, Aufmerksamkeits-defizitsyndrom, pervasive Entwicklungsstörung) diagnostiziert worden war. Es wurden zwei verschiedene Versuchsformate durchgeführt: Aktivitäten beschreiben und Bilder benennen.

Der Kritik von Biklen wurde folgendermaßen entgegengewirkt: 1) Es wurden nur Klient- Stützer- Paare untersucht, die bereits viel Erfahrung mit FC hatten. 2) Um erfolgreiche Kommunikation zu ermöglichen und um Wortfindungsschwierigkeiten vorzubeugen, wurde vor dem Experiment immer FC im Ausgangszustand durchgeführt. 3) Der Klient musste nicht den genauen Wortlaut eines Begriffes nennen. Als richtige Antwort wurde auch eine richtige Umschreibung gezählt. 4) Anspannung und Fluchtverhalten wurden in jedem Experimentaldurchgang festgehalten. Wenn ein solches Verhalten auftrat, wurden die erhobenen Daten nicht verwendet. 5) Alle Experimentaldurchgänge wurden in der normalen Umgebung, zur gewohnten Zeit und mit dem bekannten Stützer durchgeführt, um der potentiellen Anspannung oder anderen negative Reaktionen auf eine Experimentalsituation vorzubeugen. 6) Wenn sich ein Stützer sich nicht wohl fühlte wurde der Versuchsdurchgang beendet.

Die grundlegende experimentelle Manipulation war die Kontrolle darüber, zu welchen Informationen über eine Aktivität oder ein Bild der Stützer Zugang erhalten würde. Es gab drei Versuchsbedingungen: bekannt (der Stützer wusste von der Aktivität oder dem Gegenstand auf dem Bild), nicht bekannt (der Stützer wusste nichts von der Aktivität oder dem Gegenstand auf dem Bild) oder falsche Information (dem Stützer wurden falsche Informationen bezüglich der Aktivität oder des Gegenstands auf dem Bild gegeben).

Im Aktivitäten- Versuchsformat beschäftigte sich der Klient etwa 5 Minuten mit einer gewohnten Aktivität wie zum Beispiel Kaffeetrinken, Zeitschrift ansehen, Kekse essen, Kartenspielen oder Puzzeln. Direkt nach der Aktivität wurde dem Stützer entweder mitgeteilt, was die Aktivität war (bekannt), nicht mitgeteilt, was die Aktivität war (unbekannt) oder ihm wurde eine falsche Information über die Aktivität gegeben (falsch). Im Bild-Versuchsformat wurde dem Klienten und dem Stützer entweder das gleiche Bild gezeigt (bekannt), nur dem Klienten wurde das Bild gezeigt (unbekannt) oder das Bild, das dem Klienten und Stützer gezeigt wurde, war unterschiedlich (falsch). Nach Durchführung des Experiments wurden die Stützer gebeten einen Fragebogen auszufüllen, der den Grad der von ihnen angenommenen Beeinflussung bei der Gestützten Kommunikation während des Experiments messen sollte.

Die Ergebnisse der Studie zeigen keine großen Unterschiede zwischen den beiden Versuchsformaten Aktivitäten beschreiben und Bilder benennen. Der Prozentsatz an richtigen Antworten war in der bekannt- Bedingung bei allen Klienten hoch und in der unbekannten oder falsche- Information- Bedingung nahezu oder ganz Null. Die Ergebnisse der Stützer- Befragung zeigt aber, dass diese davon ausgingen, dass die Klienten zwar unter der bekannt- Bedingung am besten abschneiden würden, dass sie aber auch öfter richtig als falsch in der unbekannt- und der falsche- Information- Bedingung antworten würden. Sie waren überzeugt davon, dass hauptsächlich die Klienten die Kommunikation während FC kontrolliert hatten.

Aufgrund dieser Ergebnisse können drei Schlussfolgerungen aus der Studie gezogen werden. Erstens kann davon ausgegangen werden, dass FC keine Kommunikation des Klienten ermöglicht. Zweitens kontrollierten die Stützer die Kommunikation, obwohl sie glauben, dass der Klient die Botschaften erzeugt. An dieser Stelle ist interessant anzumerken, dass die Verweigerungsrate der Klienten unter der unbekannt- Bedingung zu antworten 23% betrug und bei den anderen beiden Bedingungen nur 3% (bekannt) und 7% (falsche Information). Hinzu kommt, dass es sehr viel länger dauerte, bis das Klient- Stützer- Paar eine Antwort gab, wenn der Stützer keine Information über eine Aktivität oder ein Bild hatte, als unter den anderen beiden Bedingungen. Eine dritte Schlussfolgerung ist, dass Anspannung oder ablehnendes Verhalten kein Grund für das Versagen der Gestützten Kommunikation sind. Denn nur drei aus 320 Durchgängen wurden aufgrund solchen Verhaltens abgebrochen. Viertens hat die Studie gezeigt, dass es zwischen den Versuchsformaten Aktivitäten beschreiben und Bilder benennen keine Unterschiede gibt. Wortfindungsschwierigkeiten können also nicht als Begründung herangezogen werden, um die Validität der Ergebnisse in Frage zu stellen.

Die Ergebnisse der vorliegenden und die Ergebnisse aus verschiedenen früheren Studien kommen zu dem Schluss, dass FC keine valide Methode ist, um Kommunikation zu verbessern. Die Gestützte Kommunikation sollte deshalb nicht mehr verwendet werden. Diejenigen, die sie trotzdem weiter verwenden möchten, sollten folgende mögliche Auswirkungen berücksichtigen: Erstens sollte jede Botschaft, die durch FC entstanden ist, auch noch mit Hilfe anderer Kommunikationswege wie zum Beispiel Gebärdensprache verifiziert werden. Zweitens sollten der Klient und der Erziehungsberechtigte über die Risiken der Einflussnahme des Stützers bei FC in Kenntnis gesetzt werden. Drittens ist es wichtig, dass andere Kommunikationswege nicht zugunsten von FC ignoriert oder herabgestuft werden.

Zum Abschluss ist zu erwähnen, dass FC erstmals dazu geführt hat, dass Personen mit Behinderung zugesprochen wurde, dass sie intelligenter sind als gedacht. Sie wurden würdevoller und respektvoller von ihren Betreuungspersonen und ihrer Familie behandelt. Einrichtungen sollten bei ihren Angestellten sicherstellen, dass Personen mit Behinderung weiterhin so respekt- und würdevoll behandelt werden, auch wenn sich FC als nicht wirksam herausgestellt hat.

Für das Lesen der umfassenden Ausführung und für weitere Informationen, laden Sie sich bitte die Studie von JABA. (JOURNAL OF APPLIED BEHAVIOR ANALYSIS, 1995,282189-200, NUMBER2 (SUMMER195))

Zum Runterladen der Zusammenfassung als PDF, klicken Sie hier

Vielen Dank für die Erlaubnis diese Studie zusammenzufassen, zu übersetzen und zu veröffentlichen an: Kathy Hill, Business Manager of JABA

Für die Zusammenfassung und die Übersetzung ein herzliches Dankeschön an Anne Burzinski.

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