Studie über Frühe Diagnose



Die Hälfte der Kinder mit Autismus kann mit fast einem Lebensjahr treffsicher diagnostiziert werden, zeigt eine neue Studie





In einer Studie, die von den Archives of General Psychiatry veröffentlicht wurde, haben Wissenschaftler des Kennedy Krieger Instituts in Balitmore, Maryland, herausgefunden, dass Autismus schon mit beinahe einem Lebensjahr diagnostiziert werden kann. Dies ist der früheste Zeitpunkt ist, in dem diese Störung jemals diagnostiziert wurde. Die Studie, die die soziale Entwicklung und die der Kommunikation der Autismus- Spektrum- Störung (Autism Spectrum Disorder - ASD) im Alter von 14-36 Monate untersuchte, offenbarte, dass ungefähr die Hälfte der Kinder um die Zeit ihres ersten Geburtstags diagnostiziert werden können. Die andere Hälfte wird später diagnostiziert, und deren Entwicklung wird sich eventuell anders entfalten als diese der Kinder, die schon um den ersten Geburtstag diagnostiziert werden. Die frühe Diagnose dieser Störung erlaubt die frühe Intervention, die einen wesentlichen Unterschied in der Förderung der Kinder, ihr volles Potenzial zu erreichen, ausmachen kann.

Forscher untersuchten die soziale Entwicklung und diese der Kommunikation in Kleinkindern mit einem hohen und einem geringen Risiko für ASD. Sie begannen im Alter von 14 Monaten und endeten im Alter von 30-36 Monaten (eine kleine Minderheit der Kinder verliessen die Studie im Alter von 30 Monaten). Die Hälfte der Kinder, die eine endgültige Diagnose von ASD im Alter von 30-36 Monaten erhielten, wurde mit der Störung mit 14 Monaten diagnostiziert; die andere Hälfte wurde nach dem 14. Lebensmonat diagnostiziert. Auf Grund der wiederholten Beobachtungen und des Einsatzes von genormten Entwicklungstests, erkannten die Wissenschaftler zum ersten Mal Störungen im sozialen Bereich, in der Kommunikation und in der Spielentwicklung, als Anzeichen für ASD im Alter von 14 Monaten. Viele Anzeichen, die diese Unterbrechungen in der Entwicklung andeuten, erscheinen gleichzeitig bei Kindern mit dieser Störung.

Dr. Rebecca Landa, die leitende Autorin der Studie und die Direktorin des Kennedy Krieger Centers für Autismus und verwandte Erkrankungen, und ihre Kollegen identifizierten die folgenden Anzeichen für die Unterbrechungen in der Entwicklung, auf welche Eltern und Kinderärzte achten sollten:

Abweichungen beim Anbahnen der Kommunikation mit anderen Personen: Anstatt mit Gestik und verbalen Äußerungen in Kombination mit Blickkontakt um Hilfe zu bitten, um einen Behälter mit Seifenlauge für Seifenblasen zu öffnen, würde ein Kind mit ASD sich abmühen, den Behälter selbst zu öffnen oder sich aufregen, meistens ohne eine Person anzuschauen, die sich in der Nähe befindet.

Eingeschränkte Fähigkeit, Gelegenheiten zu initiieren oder darauf zu reagieren, Erfahrungen mit anderen Personen zu teilen: Kinder mit ASD beobachten selten den Aufmerksamkeitsfokus anderer Leute. Dadurch verpasst ein Kind mit ASD Hinweise, die wichtig sind, um eine Beziehung mit anderen zu teilen, und es verpasst Möglichkeiten zum Lernen und Kommunikation über gemeinsame Interessen zu beginnen. Zum Beispiel, wenn ein Elternteil ein Stofftier auf der anderen Seite des Zimmers betrachtet, wird das Kind mit ASD dem zumeist Blick nicht folgen, um das Stofftier auch anzuschauen. Häufig, regt das Kind auch keine Kommunikation mit anderen an. Dagegen würden Kinder mit neurotypischer Entwicklung den Blickwechsel deren Eltern beobachten, denselben Gegenstand betrachten und einen Austausch mit den Eltern über den Gegenstand des gemeinsamen Fokus teilen. Während Beschäftigungen haben Kinder erweiterte Möglichkeiten, neue Wörter und neue Wege, um mit Spielzeug zu spielen zu erlernen. Dabei haben sie ein gefühlsmäßig zufrieden stellendes Erlebnis mit ihren Eltern.

Abweichungen beim Spielen mit Spielzeug: Anstatt ein Spielzeug so nutzen, wie es gedacht war, wie z.B. eine Spielzeuggabel aufnehmen und so tun, als würde man damit essen, würden Kinder mit ASD wahrscheinlich die Gabel aufnehmen und fallen lassen oder damit auf den Tisch klopfen, oder eine andere ungewöhnliche Handlung mit dem Spielzeug ausführen.

Erheblich eingeschränkte Variation von Lauten, Wörtern und Gesten, um zu kommunizieren: Im Vergleich zu typisch entwickelnden Kindern, haben Kinder mit ein ASD ein viel geringerer Bestand von Lauten, Worten oder Gesten, die sie zur Kommunikation mit anderen einsetzen.

"Für ein Kleinkind mit Autismus wird nur eine begrenzte Menge von Situationen - wie wenn sie ein Lieblingsspielzeug sehen oder in die Luft geworfen werden - zu flüchtiger sozialer Bindung führen", sagt Landa. "Die Tatsache, dass wir dies in solch jungem Alter erkennen können ist sehr spannend, weil es uns die Chance gibt, die Kinder mit ASD sehr früh zu diagnostizieren, wenn Förderung den größten Einfluss auf die Entwicklung machen kann".

Die aktuelle Studie offenbart, dass Autismus ein Fortschreiten einschliesst, indem die Störung sich zwischen dem 14. und 24. Lebensmonat zeigt oder fordert. Einige Kinder mit nur leichten Verzögerungen mit 14 Monaten könnten weiterhin mit ASD diagnostiziert werden. Landa und ihre Kollegen beobachteten deutliche Unterschiede auf den Entwicklungspfaden oder dem Verlauf der Kinder mit sehr früher gegenüber später Diagnose mit ASD. Während einige Kinder sich sehr langsam weiter entwickelten und entsprechend ASD im Alter von 14 Monaten Abweichungen im sozialen Bereich und in der Kommunikation aufzeigten, wiesen andere nur leichte Verzögerungen mit einem allmählichen Beginn von Symptomen von Autismus auf, was zu einer Diagnose von ASD im Alter von 36 Monaten führte.

Falls Eltern vermuten, dass mit der Entwicklung ihrer Kinder etwas nicht stimmt oder dass ihre Kinder in den ersten Lebensjahren Fähigkeiten verlieren, sollten sie mit ihrem Kinderarzt oder einem anderen Entwicklungsspezialist sprechen. Diese und andere Autismusstudien weisen darauf hin, dass die "Abwarten und Sehen" - Methode, welche den besorgten Eltern oftmals empfohlen wird, dazu führen könnte, dass die Chance der frühen Förderung während dieser Zeitperiode verpasst werden könnte

"Was das Aufregendste an diesem wichtigen Fortschritt zur Autismusdiagnose ist, ist, dass wir auf Grund andauernder Forschungen zur Intervention glauben, dass es am effektivsten und günstigsten ist, wenn sie den jüngeren Kindern angeboten wird", sagte Dr. Gary Goldstein, Präsident und CEO des Kennedy Krieger Instituts. "Wenn ein Kind bis zum fünften oder sechsten Lebensjahr nicht diagnostiziert wird, gibt es einen enormen Verlust von möglicher Förderung, die einen ausgeprägten Unterschied im Ergebnis für das Kind machen kann".

Solange es derzeitig keine genormten, veröffentlichten Kriterien gibt, um Kinder mit Autismus im Zeitrahmen des ersten Lebensjahres zu diagnostizieren, ist es Landas Ziel, diese Kriterien, basierend auf dieser und anderen Studien über Autismus, die am Kennedy Krieger Institut durchgeführt werden, zu entwickeln. Landa und ihre Kollegen am Institut planen, in einem anstehenden Bericht, vorläufige Kriterien für die Diagnostik von sehr jungen Kindern mit Autismus herauszugeben.

Teilnehmer in der aktuellen Studie umfassten Säuglinge mit einem hohen Risiko für ASD (Geschwister von Kindern mit Autismus, n=17) und niedrigem Risiko für ASD (keine Familienanamnese mit Autismus, n=18). Normierte Entwicklungstests und auf Spiel basierende Mittel zur Einschätzungen wurden eingesetzt, um die soziale Interaktion, die Kommunikation und das Spielverhalten in beiden Gruppen im Alter von 14, 18, und 24 Monaten zu beurteilen. Die Forscher wiesen in jedem Alter diagnostische Eindrücke zu, die anzeigten, ob es klinisch bedeutsame Anzeichen von Verzögerung oder Beeinträchtigung gab. Nach der letzen Einschätzung im Alter von 30 oder 36 Monaten, wurde jedem Teilnehmer eine endgültige Klassifizierung von ASD, Beeinträchtigung nicht im Zusammenhang mit ASD oder keine Beeinträchtigung gegeben. Die ASD Gruppe wurde weiterhin aufgeteilt zu einer Frühdiagnostik - Gruppe von ASD und einer Spätdiagnostik - Gruppe von ASD, abhängig davon, ob die Diagnose im Alter von 14 oder 24 Monaten gestellt wurde.


Über Autismus:

Autismus-Spektrum-Störung (Autism spectrum disorders (ASD)) ist die am schnellsten wachsende Entwicklungsstörung der Nation, mit einer momentanen Häufigkeitsrate von geschätzten 1 in 150 Kindern. Dieses Jahr werden mehr Kinder mit Autismus diagnostiziert werden als mit AIDS, Diabetes und Krebs kombiniert. Dennoch verbleiben tiefgründige Lücken in unserem Verständnis für beides, die Ursachen, sowie die Abhilfen für diese Störung. Weitergehende Forschung und Aufklärung über die Entwicklungsstörungen in Einzelpersonen mit ASD ist ausschlaggebend, da die frühe Erkennung und Intervention zu einem verbesserten Ergebnis in Personen mit ASD führen können.


Quelle: Kennedy Krieger Institute

Vielen Dank für die Erlaubnis diese Pressemitteilung zu übersetzen und zu veröffentlichen an: Dr. Rebecca Lang, Kennedy Krieger Institute

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Verantwortlich für die Übersetzung: Silke Johnson


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