Studie über Manding

Eine Zusammenfassung der Studie der Carbone Clinic:

Steigerung der verbalen Äußerungen mit Gebärdensprache und dem Unterrichten von Mands bei Kindern mit Autismus





(Vivian Attanasio, Lisa Delaney, Vincent J. Carbone, Gina Zecchin-Tirri, and Emily J. Sweeney-Kerwin)


Hintergrund:

Gebärdensprache hat gezeigt, dass sie in manchen Einzelpersonen mit Autismus und mit Entwicklungsverzögerungen die Entwicklung von verbalem Verbal Behavior fördert. (Mirenda & Erickson, 2000; Mirenda, 2003; Tincani, 2004). Allerdings gibt es eine Untergruppe von Kindern mit Autismus, bei denen die Gebärdensprache die Erzeugung von verbalen Äußerungen eventuell nicht unterstützt (Mirenda, 2003). In solchen Situationen könnte es notwendig sein, andere Verhaltensinterventionen hinzuzufügen, um die sprachliche Entwicklung zu fördern. Programme zum Unterrichten von Sprache, die die Motivationsvariablen beeinflussen, haben gezeigt, dass sie die Spontaneität (Shafer, 1994) und verbalen Äußerungen erhöhen (Charlop-Christy, Carpenter, LeBlanc & Kellett, 2002).

Skinner (1957) definierte das Mand als eine verbale Äußerung, die durch einen Zustand von Entzug, Übersättigung oder einer Abneigung hervorgerufen wird, und die durch eine Konsequenz, spezifisch in Verbindung mit den Motivationsvariablen, verstärkt wird.

Eine Prozedur mit einer Zeitverzögerung oder einer Promptverzögerung, die der Präsentation eines verbalen Modells folgt, um verbale Spontaneität und Stimmproduktion zu erhöhen, hat sich als effektiv erwiesen (Halle, Marshall, & Spradlin1979; Halle, Baer, & Spradlin, 1981; Carr & Kologinsky, 1983; Charlop, Schreibman, & Thibodeau, 1985; Bennett, Gast, Wolery, & Schuster, 1986; Matson, Sevin, Frideley, & Love, 1990; Ingenmey & Van Houten,1991; Charlop & Trasowech,1991; Matson, Sevin, Box, & Francis, 1993).

Diese Zeitverzögerung, die in den genannten Studien eingesetzt wurde, hat sich mit Teilnehmern, die ein verbales, von Prompts abhängiges Repertoire hatten, als effektiv erwiesen. Es wurde aber zuvor noch nicht getestet, ob dieser Vorgang der Zeitverzögerung einen Wert in der Anbahnung neuer verbalen Äußerungen in Kindern mit Autismus hat, die Gebärdensprache anstatt Verbalisierung als ihre vorwiegende Form der Kommunikation einsetzten oder die nur wenige Laute produzierten.


Das Ziel dieser Studie:

Das Ziel dieser Studie war, die Auswirkungen festzustellen, die die Gebärdensprache auf die Entwicklung von Verbalisierungen in Kindern mit Autismus hatte, die allein mit dem Einsatz von Gebärden- Mandtraining keine verbale Äußerungen erzeugten, wenn die Gebärdensprache mit Zeitverzögerung, verbaler Unterstützung und differenzierten Verstärkungsabläufen kombiniert wurde.


Methode:

Teilnehmer:
Drei männliche Teilnehmer nahmen an dieser Studie teil. Zwei der Teilnehmer waren vier Jahre (Tony) und sechs Jahre (Nick) alt, und beide hatten die Diagnose Autismus. Der dritte Teilnehmer war vier Jahre alt und hatte die Diagnose Trisomie 21 (Ralph). Alle Teilnehmer hatten ein eingeschränktes Repertoire im Bereich von Sprachverständnis, Tacting und Intraverbals.

Tony mandete per Amerikanischer Gebärdensprache (ASL) für 15 Gegenstände, die sich im Blickfeld befanden und hoch motivierend waren. Die Einstufung nach Kaufman (Kaufman Speech Praxis Assessment, 1995) wies auf, dass Tony ein schwaches Repertoire im Bereich der verbalen Imitation hatte, das Annäherungen von Kombinationen von Konsonanten - Vokalen - Konsonanten einschloss. (consonsant - vowel - consonant (CVC) Wörter, wie z.B. "oh no" oder "oboe").

Nick benötigte teilweise körperliche Hilfestellung oder volle körperliche Hilfestellung, um die Gebärden zu produzieren. Allerdings, wurde sein Mand - Repertoire als sehr schwach eingestuft. Während der modifizierten Einstufung nach Kaufman, hat Nick keine verbalen Äußerungen nachgeahmt.

Ralph setzte Gebärdensprache ein, um nach 10 Gegenständen zu manden, die sich im Blickfeld befanden und hoch motivierend waren.


Handlungsort:

Die Studie wurde im Klassenzimmer des jeweiligen Teilnehmers durchgeführt. In jedem Raum befanden sich sechs bis acht Kinder mit mindestens drei Erwachsenen.


Definition der Reaktionen:

Diese Studie hat das Vorkommen der Verbalisierungen während des Mandings mit Gebärden gemessen, entweder nach einer Zeitverzögerung oder nach der Präsentation einer verbalen Unterstützung. Jeder Laut, der von dem Teilnehmer von sich gegeben wurde, wurde als Verbalisierung identifiziert und erfasst. Eine Annährung zum Wort, wurde als eine Kombination von Vokal-Konsonant (VC) oder Konsonant-Vokal (CV) definiert, die in der Bezeichnung des angebotenen Objektes vorkam.


Erfassungsprozedur:

Basislinie:
Verbalisierungen und Annäherungen zum Wort wurden von der unterrichtenden Person des Teilnehmers erfasst. Die unterrichtende Person sass mit den Datenprotokollen neben dem Kind am Tisch. Sechs potenzielle Verstärker, einschliesslich Essbares, Spielfilme und Spielzeug, wurden während der Sitzung in willkürlichem Wechsel, etwa einen halben Meter vom Lerner entfernt, platziert. Die unterrichtenden Personen nahmen durch phonetische Schreibweise jede verbalen Reaktion Verbalisierungen und Annäherungen auf und notierten die entsprechende Promptstufe, die benötigt wurde, um die verbale Äußerung hervor zu rufen. Eine Absprache zwischen den Beobachtern fand für 30% aller Sitzungen statt. Die Übereinstimmung der Beobachter reichte von 96-100% mit einem Durchschnitt von 99%.

Zeitverzögerung und Verbale Hilfestellung:
Während der Interventionsphase, sass die untersuchende Person dem Teilnehmer in etwa einen dreiviertel Meter Entfernung am Tisch in seinem Klassenzimmer gegenüber. Die Gegenstände, nach denen der Teilnehmer möglicherweise manden würde, befanden sich auf dem Tisch neben der untersuchenden Person. Allen Teilnehmern wurden in jeder Sitzung sechs verschiedene Verstärker vorgelegt. Es gab zwei Sitzungen pro Tag in denen jeweils 50 Einheiten durchgeführt wurden. Jede Unterrichtseinheit begann damit, dass die untersuchende Person den Gegenstand in Augenhöhe hoch hielt, um dem Teilnehmer zu signalisieren, dass, abhängig von seiner Gebärde für den Gegenstand, Verstärkung zur Verfügung stand. Wenn der Teilnehmer die Gebärde aufzeigte, wurde der Verstärker nicht sofort übereicht, stattdessen wurde eine Zeitverzögerung von fünf Sekunden eingebaut. Während dieser fünf Sekunden hatte jede Verbalisierung, die der Teilnehmer äußerte, zur Folge, dass der Verstärker umgehend überreicht wurde.

Falls der Teilnehmer während diesem Intervall der Zeitverzögerung nicht verbalisierte, nannte die untersuchende Person die Bezeichnung für den gewünschten Gegenstand als verbale Hilfestellung und wartete für zwei Sekunden auf eine Reaktion.

Falls innerhalb dieser zwei Sekunden nach der verbalen Präsentation des verbalen Stimulus (Prompt) eine Verbalisierung geäußert wurde, wurde der Verstärker sofort übergeben.

Falls keine Verbalisierung erfolgte, wurde der verbale Prompt noch zwei Mal präsentiert.

Der Verstärker wurde sogleich gegeben, wenn eine Verbalisierung oder eine Annäherung zum Wort nach der verbalen Hilfestellung vom Teilnehmer zu hören war.

Falls gar keine verbale Äußerung oder Wortannäherung erfolgte, wurde der Verstärker am Ende der Sequenz der verbalen Prompts überreicht.


Aufrechterhaltung:

Nach dem Abschluss der Versuchssituation wurden über 10 Monate hinweg Daten der Aufrechterhaltung gesammelt. Es wurden Daten der Aufrechterhaltung für vier Sitzungen geführt, in welchen der Gegenstand ein Mal dargeboten wurde. Jede Sitzung beinhaltete 6 Einheiten und es gab eine Sitzung pro Tag an vier auf einander folgenden Tagen. Jede Einheit begann damit, dass die untersuchende Person den Gegenstand auf Augenhöhe hielt, um die Verfügbarkeit des Verstärkers zu signalisieren.

Wenn der Teilnehmer die korrekte Gebärde für den Gegenstand innerhalb von fünf Sekunden präsentierte, wurde der Verstärker umgehend überreicht.

Wenn der Teilnehmer nicht sofort die Gebärde für den Gegenstand machte oder auch eine falsche Gebärde darbot, gab die untersuchende Person einen körperlichen Prompt oder einen Prompt per Gestik, um die Reaktion hervorzurufen. Unter Einsatz derselben Definition der Reaktion wie in der Experimentsituation, führte die untersuchende Person jegliche Verbalisierung oder Wortannäherung, die der Teilnehmer in Verbindung mit der Gebärde äußerte. Die Übereinstimmung der Beobachter betrug 100% für alle Teilnehmer.


Ergebnisse:

Als das Experiment eingeführt wurde, stiegen Tonys verbale Äußerungen oder Wortannäherungen zu einem Durchschnitt von etwa 20% während der Basislinie zu ungefähr 95% während der Behandlung. Tony hielt eine Durchschnittsrate von 95% verbalen Äusserungen oder Wortannäherungen während des Mandings in den Sitzungen der Aufrechterhaltung bei.

Die Anzahl der Verbalisierungen oder Wortannäherungen bei Ralph erhöhten sich unwillkürlich zu annähernd 70% von einem Prozentsatz von nahe 0% während der Basislinie zu Beginn der Behandlung und stabilisierte sich dann während der letzten Behandlungssitzungen auf circa 94% der Einheiten mit verbalen Äußerungen. Die 10-monatigen Folgedaten zeigen an, dass Ralphs Verbalisierungen während des Mandings mit Gebärden zu einem bedeutend höheren Grad als während der Basislinie aufrecht erhalten wurde

Nicks verbale Äußerungen erhöhten sich unmittelbar zu annähernd 10% während der Behandlung und erhöhten sich beständig zu 40% während der Behandlungssitzungen im Vergleich zu einem Basislinienprozentsatz von nahe 0%. Die Daten der 10 nachfolgenden Monate lassen erkennen, dass Nicks Verbalisierungen während des Mandings mit Gebärden zu einer erheblich höheren Stufe als während der Basislinie aufrecht erhalten wurde.


Diskussion:

Die Ergebnisse dieser Studie legen dar, dass Gelegenheiten der Mands mit Gebärden, kombiniert mit einer Promptverzögerungsprozedur und verbaler Unterstützung mit differenzierter Verstärkung für die Lautproduktion, die Anzahl und Variation der Verbalisierungen in Kindern mit Autismus und anderen Entwicklungsverzögerungen steigern kann.

Tony demonstrierte die höchste Prozentzahl von Einheiten mit Verbalisierungen und Wortannäherungen, und er war der einzige Teilnehmer, der als Mand, ein Video anzuschauen, die Produktion des Wortes "Film" entwickelte. Er begann die Studie mit dem stärksten verbalen Repertoire, in welchem er die größte Anzahl und Variation von Lauten während der Bestandsaufnahme der Lautebasislinie beinhaltete.

Daten der Aufrechterhaltung zeigen, dass Tony und Ralph weiterhin während des Mandings mit Gebärden zu einer hohen Rate verbalisierten, obwohl während des Zeitraumes von 10 Monaten keine Behandlung erfolgte. Die Tatsache, dass die Zeitverzögerung eine verhältnismäßig höhere Rate von Verbalisierungen gegenüber der Prozedur mit verbalen Prompts hervor ruft, lässt auf die Funktion von Löschung schliessen. Es scheint, dass das Ausbleiben der Verstärkung unmittelbar nach dem Mand mit der Gebärde, während der Behandlung zur Variation der Reaktionen in Form von verbalen Reaktionen geführt haben könnte, die oft mit den Nebenwirkungen von Löschung in Verbindung gebracht werden (Lerman and Iwata, 1996).


Diese Studie ist eine Zusammenfassung der originalen Unterlagen, die hier runtergeladen werden können www.carboneclinic.com/research.aspx


Bitte berücksichtigen Sie, dass jegliche Bemühungen eingesetzt wurden, um diesen Artikel zu komprimieren und eine weitflächige Übersicht dieser Recherche zu geben. Allerdings, wurde ein Teil des ursprünglichen Artikels direkt kopiert, damit die wichtigste Information nicht unterging. Jegliche Anerkennung der Zusammenfassung, ob direkt oder neu formuliert steht einzig den Forschern zu.

Bitte kontaktieren Sie Ihren ABA/VB Consultant, bevor Sie irgendwelche Anteile dieser Prozeduren, die in dieser Studie durchgeführt wurden mit ihrem Kind einsetzen.



Zum Runterladen als PDF, klicken Sie hier


Für die Erlaubnis, diese Studie der Carbone Clinic auf unsere Webseite zu setzen und zu übersetzen, danken wir: Dr. Vincent Carbone, Ed.D., BCBA

Für die Zusammenfassung danken wir: Miss Georgiana Elizabeth Barzey.

Verantwortlich für die Übersetzung: Silke Johnson


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