Studie über zügiges Unterrichten

Eine Zusammenfassung der Studie der Carbone Clinic:

Die Auswirkungen von unterschiedlichen Präsentationsraten einer unterrichtenden Person auf die Reaktion während Discrete Trial Trainings



(Carole A. Roxborough, BCABA, Vincent J. Carbone, BCBA, and Gina Zecchin, BCABA)


Hintergrund:

Eine bedeutende Anzahl von Kindern, die die Diagnose Autismus tragen, zeigen eine hohe Tendenz von Flucht- und Vermeidensverhalten (Koegel, Koegel, Frea and Smith, 1995) während Unterrichtssitzungen auf. Zusätzlich, stört das selbststimulierende Verhalten (wie z.B. eigenen Körper vor und zurück schaukeln und Hände flattern) der Kinder mit Autismus oftmals das Erlernen neuer Fähigkeiten und das Ausführen einfacher Unterscheidungsaufgaben (Covert and Koegel, 1972). Wenn das selbststimulierende Verhalten verringert wird, geschieht das Lernen in höherem Maße (Covert and Koegel, 1972).

Eines der grundlegenden Ziele für viele Kinder mit Autismus hängt daher teilweise von den Variablen ab, die von den Lehrern beeinflusst werden. Diese führen dazu, dass sich die Aufmerksamkeit des Lerners in Bezug auf Aktivitäten, die von der unterrichtenden Person gesteuert werden, für überschaubare Zeit täglich verbessert. (Drash & Tudor, 1993).

Discrete Trial Training (DTT) ist eine Methode, welche nach Skinners (1968) Ausführung der Drei-Begriff-Abhängigkeit (three term contingency arrangement) geformt wurde. Hierbei wird von der unterrichtenden Person ein Stimulus (Anreiz) präsentiert, eine Reaktion wird hervor gerufen, und eine Konsequenz folgt dieser Reaktion, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass der Auftritt dieser Reaktion in ähnlichen Situationen erhöht oder verringert wird.

Der hohe Anspruch von Discrete Trial Training könnte allerdings Problemverhalten hervor rufen, wie z.B. Trotzanfälle, sich fallen lassen, hohe Raten von Stereotypien, Aggressionen und selbstverletzende Verhaltensweisen. Smith (2001) erklärt:"... Kinder mit Autismus könnten versuchen, sich durch Flucht- und Vermeidensverhalten so ziemlich allen Unterrichtssituationen zu entziehen, sowie aller Ansprüche, die von Erwachsenen an sie gestellt werden" (p. 89).

Infolgedessen, erscheint ein gründliches Verständnis des Konzepts und ein praktisches Repertoire in Verbindung mit der Abwandlung von Unterrichtsvariablen, das Problemverhalten mit Flucht und Vermeidung reduziert, unerlässlich.

Die Beeinflussung von Unterrichtsvariablen in Bezug auf die Konsequenzen des Verhaltens wie Verstärkung und Löschung wurden ausgiebig in der Literatur für Verhaltensreduktion erforscht. Neuerdings, ist zusätzlicher Schwerpunkt auf die Manipulation der Antezedentenvariablen gelegt worden, um störendes Verhalten beim Unterrichten von Personen mit Entwicklungsverzögerungen und Autismus zu verringern (Carbone, Morgenstern & Zecchin (2006).

Wenige Studien haben sich auf die Auswirkungen der Lehrer-Präsentationsrate auf Unterrichtsanforderungen als Antezedentenvariable konzentriert. Nur zwei Studien, die autistische Kinder einschliessen, haben die Auswirkungen der Präsentationsrate der unterrichtenden Person auf Unterrichtsanforderungen gemessen. Beide dieser Studien (Koegel, Dunlap, & Dyer, (1980) and Dunlap, Dyer & Koegel (1983)) manipulierten die Dauer des Inter-Trial-Intervalls (ITI), mit dem Ergebnis, dass die Unterrichtsanforderungen langsam oder schnell dargeboten wurden. ITI wurde als Zeitraum zwischen der Gabe einer Konsequenz für ein Verhalten und der Präsentation des nächsten Stimulus oder der nächsten Anforderung definiert.

Koegel et al (1980) untersuchte in Kindern mit Autismus das funktionale Verhältnis zwischen der Dauer des ITIs und der korrekten Reaktionen des Lerners. Die Forscher setzten beide Laufzeiten ein: lange Dauer, die von 4 bis 26 Sekunden reichte und kurze Dauer, die von 1-4 Sekunden reichte. Die Ergebnisse zeigten, dass die kürzere Dauer der ITIs eine höhere Rate von korrekten Reaktionen und dabei einen Abfall der selbststimulierenden Verhaltensweisen erzielte.

Dunlap et al (1983) wiederholte die Studie von Koegel et al’s (1980) und erweiterte die Resultate durch präzises Messen des Auftretens von selbststimulierenden Reaktionen der Teilnehmer; diese ware Kinder mit Autismus. Die Befunde dieser Studie ergaben, dass mit kürzerem ITI die selbststimulierenden Verhaltensweisen ab- und die korrekten Reaktionen zunahmen.

Die Auswirkungen der Präsentationsraten auf andere Topographien und Funktionen von Problemverhalten, das oftmals von Kindern mit Autismus während intensiven Unterrichtssitzungen aufgezeigt wird, wurde mit verschiedenen Manipulationen des ITIs untersucht (laden Sie sich bitte den Artikel für einen vollständigen Bericht runter).


Das Ziel dieser Studie:

Es gab vier Ziele für diese Studie:
  • Wiederholen der Ergebnisse anderer Forscher in Bezug auf die Auswirkungen auf das Auftreten von Problemverhalten und korrekten Reaktionen während Unterrichtssitzungen mit Kindern mit Autismus durch das Verändern der Unterrichtsgeschwindigkeit.


  • Untersuchen der Auswirkungen der Präsentationsrate von Anforderungen der unterrichtenden Person auf Kinder mit Autismus, die selbststimulierendes Verhalten aufzeigten, das durch eine Vergangenheit mit sozialer Verstärkung aufrecht erhalten wurde.


  • Messen des Reaktionsauftretens und des Ausmasses der Verstärkung als Funktion von schnellen gegenüber langsamer Präsentationsraten von Ansprüchen der unterrichtenden Person.


  • Messen von drei Raten von Präsentationen, die für gewöhnlich für Unterrichtsprogramme für Kinder mit Autismus empfohlen werden.



Methode:

Teilnehmer:
Zwei Kinder mit der Diagnose Autismus nahmen an der Studie teil; sie erhielten eine Kombination aus Interventionen mit Angewandter Verhaltensanalyse (ABA), die sich auf die Schule und das häusliche Umfeld bezogen; dabei lag der Schwerpunkt auf dem Unterrichten von Kommunikationsfähigkeiten mit B.F. Skinners Analyse von Verbal Behavior.

Das Programm beider Kinder umfasste zu Hause intensiven Einzelunterricht (1:1) in der Form von Discrete Trial Training, im Wechsel mit Lerngelegenheiten im natürlicheren Umfeld. Ein ähnliches Programm wurde für beide Kinder im schulischen Umfeld für einen Teil des Unterrichtstages eingesetzt.

Beide Teilnehmer wiesen hohe Raten von Störverhalten während der Unterrichtssitzungen auf und wurden deshalb für die Teilnahme an dieser Studie ausgewählt.

Handlungsort:
Alle Versuchssitzungen wurden bei dem jeweiligen Teilnehmer daheim ausgeführt. Die Unterrichtssituation für jedes Kind fand im Wohnzimmer statt, wo es ein Fernsehgerät gab, damit als eine Form der Verstärkung Videos gezeigt werden konnten. Jedes Kind sass an einem Tisch zum Unterrichten. Um jede Sitzung aufnehmen zu können, befand sich neben dem Tisch eine Kamera auf einem Dreifuss.


Abhängige Variablen, Definition der Reaktion und Messvorgänge:

Dies waren die abhängigen Variablen, die gemessen wurden:
  • Häufigkeit des Problemverhaltens (Selbststimulation, Aggression/ selbstverletzendes Verhalten, vom Tisch weg rennen), das die Unterrichtsanforderungen störte


  • Häufigkeit der Anforderungen, die von der unterrichtenden Person präsentiert wurden


  • Umfang oder Dauer der Verstärkung


  • Prozentsatz der korrekten Reaktionen.


Jede der abhängigen Variablen wurde dadurch gemessen, dass nach jeder Untersuchungssitzung die Reaktionen mit Hilfe der Videoaufnahme der Sitzung notiert wurden. Éin Datenprotokoll wurde ganz gezielt entwickelt, um die Häufigkeit des Problemverhaltens, die Anzahl der Unterrichtsgelegenheiten, die Anzahl der Reaktionen pro Sitzung, der Umfang der Videopräsentation als eine Form der Verstärkung und die Prozentzahl der korrekten und inkorrekten Antworten zu messen.


Plan:

Mit dem Einsatz eines sich wechselnden Behandlungsplan wurden die Anforderungen der unterrichtenden Person während der Versuchssitzungen mit einer Rate von jede Sekunde, jede 5 Sekunden oder jede 10 Sekunden präsentiert. Zum Beispiel: eine unterrichtende Person hielt ein Bild eines Gegenstandes hoch und fragte den Lerner: "Was ist das?". Die Unterrichtsanforderungen, die nach einer Sekunde nach der Reaktion des Teilnehmers gestellt wurden, wurden die schnelle Lehrer-Präsentations-Bedingung genannt. Unterrichtsanforderungen, die nach fünf Sekunden nach der Reaktion des Lerners gestellt wurden, wurden die mittlere Lehrer-Präsentations-Bedingung genannt. Unterrichtsanforderungen, die nach 10 Sekunden nach der Reaktion des Lerners gestellt wurden, wurden als langsame Lehrer-Präsentations-Bedingung genannt. Ohne Basislinie wurde der wechselnde Behandlungsplan mit 1, 5 und 10 Sekunden willkürlich eingebaut.


Vorgehensweise:

Zwei Sitzungen, die jeweils 10 Minuten dauerten, wurden täglich ausgeführt. Während jeder Einheit stellte die unterrichtende Person die Unterrichtsanweisungen entweder in einem Intervall von 1, 5 oder 10 Sekunden. Unterrichtstechniken beinhalteten Korrekturverfahren, Promptprozeduren, Arten von Fähigkeiten, die präsentiert wurden, Anzahl der Anforderungen vor einem Verstärker (Verstärkungsplan), Untermischen von gemeisterten und neuen Fähigkeiten, sowie das Mixen von verschiedenen Unterrichtsbereichen; sie wurden für jeden Teilnehmer in allen drei Versuchsbedingungen beibehalten. Jegliches Problemverhalten während der Unterrichtseinheiten wurde als Vorkommen eines Problemverhaltens aufgelistet. Als Verstärker wurde die Gelegenheit geboten, eine Minute eines beliebten Videos anzuschauen.


Ergebnisse:

Die Ergebnisse zeigten auf, dass beide Lerner während der langsamen Lehrerpräsentation höhere Tendenzen von Problemverhalten demonstrierten. Beiden Lernern wurden während der schnellen Präsentation eine höhere Anzahl von Unterrichtsanforderungen gestellt. Beide Lerner erhielten während der schnellen Präsentation mehr Verstärkung als mit der mittleren oder langsamen Präsentationsbedingung. Die Resultate weisen auch darauf hin, dass beide Lerner während der schnellen Präsentation mehr Reaktionen erzeugten als während der mittleren oder langsamen Bedingungen. Zudem ist aus den Ergebnissen auch ersichtlich, dass es keinen Unterschied im Prozentsatz der korrekten Reaktionen für jeden der Lerner während allen drei Bedingungen gab.


Diskussion:

In Übereinstimmung mit den Feststellungen der vorherigen Studien, zeigen die Ergebnisse dieser Studie, dass die zügig gestellten Anforderungen eine positive Auswirkung auf die Häufigkeit des Problemverhaltens, den Umfang der Verstärkung, die Anzahl der Unterrichtsanforderungen und die Anzahl der Reaktionen für die Teilnehmer dieser Studie hatten. Allerdings, zeigen die Ergebnisse dieser Studie leider nicht auf, dass zügigere Anweisungspräsentation die korrekten Reaktionen erhöht. Dennoch unterstützen die Resultate die Wichtigkeit des zügigen Unterrichtens für Kinder mit Autismus.

Eine Einschränkung dieser Studie ist, dass nur eine kleine Anzahl von Teilnehmern eingesetzt wurde; zukünftige Recherche, die eine funktionale Analyse des Problemverhaltens vor der Ausführung umfasst, wird zur Analyse der verschiedenen Auswirkungen des zügigen Unterrichtens in Bezug auf die Funktion des Problemverhaltens beisteuern.


Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung der originalen Unterlagen, die hier runtergeladen werden können:



Bitte berücksichtigen Sie, dass jegliche Bemühungen eingesetzt wurden, um diesen Artikel zu komprimieren und eine weitflächige Übersicht dieser Recherche zu geben. Allerdings, wurde ein Teil des ursprünglichen Artikels direkt kopiert, damit die wichtigste Information nicht unterging. Jegliche Anerkennung der Zusammenfassung, ob direkt oder neu formuliert steht einzig den Forschern zu.

Bitte kontaktieren Sie Ihren ABA/VB Consultant, bevor Sie irgendwelche Anteile dieser Prozeduren, die in dieser Studie durchgeführt wurden mit ihrem Kind einsetzen.



Zum Runterladen als PDF, klicken Sie hier


Für die Erlaubnis, diese Studie der Carbone Clinic auf unsere Webseite zu setzen und zu übersetzen, danken wir: Dr. Vincent Carbone, Ed.D., BCBA

Für die Zusammenfassung danken wir: Miss Georgiana Elizabeth Barzey.

Verantwortlich für die Übersetzung: Silke Johnson


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