Erste Anzeichen von Autismus

Definition
Ursachen und Risikofaktoren
Symptome von Autismus
Anzeichen und Tests
Fragen zur Abklärung von Autistischen Tendenzen
Warnsignale in Zusammenfassung
Mögliche Symptome von Autismus im Säuglingsalter
Überweisungen
Einschätzung

Autismus ist eine komplexe Entwicklungsstörung mit einem weiten Spektrum, die in den ersten drei Lebensjahren auftritt, obwohl sie oftmals viel später erst diagnostiziert wird (im Durchschnitt mit 5.5 Jahren). Autismus hat in Bezug auf soziale und kommunikative Fähigkeiten Auswirkungen auf das Gehirn. Allgemeine Anzeichen des autistische Spektrums schließen milde bis schwere Beeinträchtigungen in sozialen Interaktionen und in der verbalen und non-verbalen Kommunikation, aber auch Wahrnehmungsstörungen, sowie eingeschränkte und sich wiederholende Verhaltensmuster ein.


Ursachen und Risikofaktoren

Autismus ist ein körperlicher Zustand, verbunden mit einer Veränderung in der Biologie und Chemie des Gehirns. Die genauen Ursachen dieser Veränderungen sind noch unbekannt, aber die Forschung ist in diesem Bereich sehr aktiv. Vermutlich gibt es eine Kombination von Faktoren, die zu Autismus führen.

Genetische Veranlagung scheint bei Autismus wichtig zu sein. Zum Beispiel ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei eineiigen Zwillingen beide Kinder Autismus haben höher als bei zweieigen Zwillingen oder anderen Geschwistern. Sprachprobleme kommen auch häufiger bei Verwandten von Kindern mit Autismus vor. Auch Veränderungen der Chromosomen und andere neurologische Probleme treten häufiger in Familien mit Autismus auf.

Eine ganze Anzahl von möglichen Ursachen für Autismus wird vermutet, ist aber nicht bewiesen. Darunter fallen auch Veränderungen im Verdauungstrakt, Ernährung, Quecksilbervergiftung, Reaktion auf Impfungen und unzureichende Verwertung von Vitaminen und Mineralstoffen im Körper.

Die genaue Zahl der Kinder mit Autismus ist nicht bekannt. Ein Bericht des US Centers für Krankheitsbekämpfung und Prävention zeigt auf, dass Autismus und verwandte Einschränkungen häufiger vorkommen als zuvor vermutet wurde. Es ist unklar, ob dies auf die steigende Rate von Autismus oder eine erhöhte Fähigkeit diesen Zustand zu diagnostizieren, zurück zu führen ist. (In den USA liegt die Rate von Autismus bei 1:140 Kindern, Stand von 2007)

Autismus betrifft Jungs vier Mal so häufig als Mädchen.

Familieneinkommen, Erziehung / Ausbildung, Lebensstil, Rasse oder Religionszugehörigkeit scheinen keinen Einfluss auf die Risiken von Autismus zu haben.
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Symptome von Autismus

Die meisten Eltern von Kindern mit Autismus vermuten, dass etwas mit ihrem Kind nicht stimmt, wenn das Kind ungefähr 18 Monate alt ist und suchen dann Unterstützung, wenn das Kind 2 Jahre alt ist. Kinder mit Autismus haben in der Regel Schwierigkeiten in der verbalen und non-verbalen Kommunikation, in der sozialen Interaktion und im Fantasiespiel. Manche zeigen auch Aggressionen gegenüber anderen Personen oder sich selbst.

Einige Kinder mit Autismus scheinen bis zum ersten oder zweiten Lebensjahr eine normale Entwicklung zu durchlaufen, machen dann plötzlich Rückschritte und verlieren Sprache oder soziale Fähigkeiten.

Personen mit Autismus können sich wiederholende Körperbewegungen, ungewöhnliche Vorlieben zu Gegenständen und auffällige Schwierigkeiten bei Wechsel von Routinen aufzeigen. Manche Personen mit Autismus reagieren empfindlich im Bereich der Sinne (Sicht, Hören, Berührung /Fühlen, Geruch und Geschmack). Zum Beispiel weigern sich manche Kinder "kratzige" Kleidung zu tragen und werden sehr gestresst, wenn sie doch dazu gezwungen werden, da ihre Haut so empfindlich ist.

Einige Kombinationen der folgenden Charakteristiken können in verschiedenen Ausmaßen bei Menschen mit Autismus vorkommen.

Kommunikation:

  • Fehlendes Zeigen, um die Aufmerksamkeit anderer auf Gegenstände zu lenken (um den 14. Lebensmonat)
  • Richtet den Blick nicht auf die Dinge, die andere sich anschauen
  • Ist nicht in der Lage, ein Gespräch zu beginnen oder aufrecht zu erhalten
  • Langsame oder keine Sprachentwicklung
  • Wiederholen von Wörtern oder auswendig gelernten Sätze, zum Beispiel aus Werbung oder Filmen
  • Bezeichnet sich selber nicht korrekt (sagt zum Beispiel "Du möchtest Wasser", wenn es "Ich möchte Wasser" meint)
  • Setzt unsinnige Reime ein
  • Kommuniziert mit Gestik anstatt verbaler Sprache



Soziale Interaktion:

  • Mangel von Mitgefühl
  • Schließt keine Freundschaften
  • Ist verschlossen
  • Zieht es vor, allein zu sein, anstatt mit anderen zusammen zu sein
  • Reagiert eventuell nicht auf Blickkontakt oder Lächeln
  • Vermeidet Blickkontakt
  • Behandelt andere als wären sie Gegenstände
  • Spielt keine interaktiven Spiele


Reaktion auf sensorische Information:

  • Hat eine erhöhte oder geringe Wahrnehmung in Sicht, Hören, Berührung / Fühlen, Geruch oder Geschmack
  • Scheint erhöhtes oder geringes Schmerzempfinden zu haben
  • Entzieht sich eventuell Körperkontakt, weil dieser als überstimulierend oder überfordernd empfunden wird
  • Zuckt bei lauten Geräuschen nicht zusammen
  • Könnte Alltagsgeräusche als schmerzhaft empfinden und sich mit den Händen die Ohren zuhalten
  • Reibt Oberflächen, nimmt Gegenstände in den Mund oder leckt sie ab Spiel
  • Zeigt wenig oder kein Fantasiespiel
  • Imitiert die Tätigkeiten und Bewegungen anderer Personen nicht
  • Zieht es vor, allein oder ritualisiert zu spielen



Verhalten:

  • Hat eine kurze Aufmerksamkeitsspanne
  • Setzt sich wiederholende Körperbewegungen ein
  • Zeigt ein starkes Bedürfnis für Routinen
  • Hat sehr heftige Trotzanfälle
  • Hat sehr eingeschränkte Interessen
  • Zeigt Perseverationen auf (kann an einem Thema oder Aufgabe hängen bleiben)
  • Ist aggressiv gegenüber sich selbst oder anderen Personen

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Anzeichen und Tests

Alle Kinder sollten zu Routineentwicklungsuntersuchungen beim Kinderarzt vorgestellt werden. Weitere Untersuchungen könnten notwendig sein, wenn von Seiten der Eltern oder des Arztes Bedenken bestehen. Dies ist besonders wichtig, wenn das Kind irgendeine der folgenden Stufen in der Sprachentwicklung nicht erreicht hat:

  • Lautieren und Babbeln mit 12 Monaten
  • Gestik (Zeigen, Winken) mit 12 Monaten
  • Einzelne Wörter mit 16 Monaten
  • Spontane Zwei-Wort-Sätze mit 24 Monaten (nicht nur Wiederholen)
  • Verlust jeglicher Sprache oder sozialer Fähigkeit in jeder Altersstufe


Die Kinder sollten dann eventuell einen Hörtest, Bluttest (Bleivergiftung) und einen Test zur Abklärung von Autismus erhalten.

Die eigentliche Diagnose sollte von einem Arzt erfolgen, der Erfahrung in der Diagnose und Behandlung von Autismus hat. Weil es keinen biologischen Test für Autismus gibt, basiert die Diagnose oft auf sehr spezifischen Kriterien (festgelegt im ICD 10). Autismus beinhaltet ein weites Spektrum von Symptomen. Daher kann eine einzelne, kurze Einschätzung die wahren Fähigkeiten des Kindes nicht vorhersehen. Im Idealfall sollte ein Team von verschiedenen Spezialisten das Kind evaluieren. Angeschaut werden sollten Sprachen, Kommunikation, Denkfähigkeit, Motorische Fähigkeiten, Erfolg in Schule oder Kindergarten und andere Faktoren.

Manche sind widerstrebt, ein Kind mit Autismus zu diagnostizieren, da Bedenken bestehen, dem Kind einen Stempel aufzudrücken. Allerdings führt das Versäumnis, eine Diagnose zu stellen dazu, dass das Kind leider den nötigen Unterricht und die unterstützenden Leistungen nicht erhält.

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Fragen zur Abklärung von autistischen Tendenzen

1) Reagiert das Kind auf seinen Namen, wenn es von seiner Bezugsperson gerufen wird?
Innerhalb der ersten Lebensmonate, reagieren Säuglinge auf ihren eigenen Namen, indem sie sich nach der Person orientieren, die sie gerufen hat. Typisch entwickelnde Säuglinge reagieren meistens auf die Stimme von bekannten Personen mit Blicken und auch mit einem Lächeln.

Im Gegensatz dazu reagieren Kleinkinder, die später mit Autismus diagnostiziert werden, meistens nicht auf ihren Namen. Das heißt, wenn sie gerufen werden, neigen sie dazu, zu ungefähr 20 % der Zeit, sich der rufenden Person zuzuwenden, wie von Videos vom ersten Geburtstagsfest der Kinder mit Autismus zu erkennen war. Sie reagieren auch oft nur bedingt auf Geräusche. Sie ignorieren eventuell manche Geräusche und reagieren auf andere, die in der gleichen Lautstärke zu hören sind. So kann es also sein, dass sie keine Reaktion zeigen, wenn sie von den Eltern bei Namen gerufen werden; hören aber sofort, wenn das Fernsehgerät eingeschaltet wird. Es ist nicht unüblich, dass Eltern vermuten, dass ihr Kind schwerhörig oder gehörlos ist.

2) Teilt das Kleinkind die Aufmerksamkeit?
Gegen Ende des ersten Lebensjahres, beginnen die meisten Kleinkinder damit, dass sie dieselben Gegenstände oder Aktivitäten betrachten wie ihre Bezugsperson. Zur Unterstützung der geteilten Aufmerksamkeit, beginnen typisch entwickelnde Kinder ihren Blick vom Spielzeug zur Person zu richten, dem Zeigen anderer mit dem Blick zu folgen, die Blickrichtung anderer zu beobachten, auf Dinge und Aktivitäten zu zeigen, um das Interesse zu teilen oder um anderen Spielzeug zu zeigen. Dieses Verhalten hat eine bestimmte Qualität des sich Mitteilens. Zum Beispiel könnte das Kleinkind auf ein Flugzeug zeigen, das über seinen Kopf hinweg fliegt und dabei seine Mutter oder seinen Vater anschauen, als wollte es sagen: "Schau mal da!"

Im Gegensatz dazu haben Kleinkinder mit Autismus besonders Schwierigkeiten die Aufmerksamkeit mit anderen zu teilen. Sie richten ihren Blick nur selten auf das Zeigen anderer; sie wechseln ihren Blick nicht oft von Gegenständen zu Personen und scheinen nicht wirklich anwesend sein, während die Bezugsperson mit ihm Dinge, Personen oder Tätigkeiten beobachtet und darüber redet. In der Regel neigen sie auch nicht dazu, den Eltern ein Spielzeug zu zeigen.

3) Imitiert das Kind andere Personen?
Typisch entwickelnde Kleinkinder sind Nachahmer. Selbst Babies können Gesichtsbewegungen schon nachahmen (z.B. Zunge raus strecken oder den Mund öffnen). Schon im Alter von 8-10 Monaten ahmen Mutter und Kleinkind die Laute des anderen, klatschen oder machen andere Bewegungen. Imitation spielt sogar eine sehr große Rolle in bekannten Fingerspielen, wie z.B. Backe, backe, Kuchen oder "Wie groß?" ("Wie groß ist "? Soooo groß!" während das Kind die Hände hoch streckt).

Kleinkinder mit Autismus imitieren andere Personen weniger oft. Sie demonstrieren weniger Nachahmungen mit dem Körper oder Gesicht (winken, Grimassen schneiden, Kleinkindspiele spielen) und imitieren auch weniger mit Gegenständen.

4) Reagiert das Kind gefühlsmäßig auf andere?
Typisch entwickelnde Kinder reagieren sozial auf andere. Sie lächeln, wenn sie angelächelt werden, sie initiieren auch Lächeln und lachen, wenn sie mit Spielzeug oder anderen spielen. Wenn typisch entwickelnde Kinder andere Kinder beobachten wie sie weinen, fangen sie eventuell selber an zu weinen oder schauen beunruhigt. Etwas ältere Kleinkinder krabbeln dann vielleicht in die Nähe der weinenden Person, streicheln oder versuchen, auf andere Art und Weise Trost zu bieten. Diese etwas später auftretenden Verhaltensweisen weisen auf Mitgefühl hin und können vor allem bei Kindern im zweiten Lebensjahr beobachtet werden.

Im Gegensatz dazu scheinen Kinder mit Autismus die Gefühle anderer nicht wahrzunehmen. Sie bemerken vielleicht das soziale Lächeln anderer nicht, schauen deshalb auch nicht hin und können in Reaktion auf das Lächeln der anderen auch nicht zurück lächeln. Sie ignorieren eventuell die Traurigkeit anderer Personen. Mehrere Wissenschaftler haben nun gezeigt, dass, wenn ein Erwachsener so tut, als ob er sich selbst mit einem Spielzeug gehauen oder sich das Knie angeschlagen hat, kleine Kinder mit Autismus den Erwachsenen weniger anschauen oder Beunruhigung im Gesichtsausdruck zeigen.

5) Spielt das Kind Fantasiespiele?
Jemand hat einmal gesagt: "Spielen ist die Arbeit der Kinder". Kleinkinder lieben es, so zu tun, als seien sie eine Mutter, ein Vater, ein Baby, ein Feuerwehrmann oder ein Polizist, etc. Obwohl die Kinder mit etwa 6 Monaten mit Spielzeug spielen, kommt es erst am Ende des ersten Lebensjahres zum Fantasiespiel. Die ersten Tätigkeiten beinhalten eventuell, sich selber, die Mutter oder eine Puppe zu füttern, die Haare der Puppe zu kämmen oder die Puppe ins Bett zu bringen. Um den zweiten Geburtstag herum, spielen Kinder imaginäre Spiele; Puppen nehmen dann menschliche Qualitäten wie Sprechen an oder es werden Haushaltsroutinen nachgespielt. Die Kinder stellen sich dann vielleicht vor, dass ein Schwamm ein Lebensmittel, ein Baustein ein Hut oder eine Plastikschüssel ein Schwimmbad mit Wasser ist.

Im Gegensatz dazu zeigt das Spielen der Kinder mit Autismus viele Defizite auf. Das Kleinkind ist vielleicht gar nicht an Gegenständen interessiert, richtet dafür das Interesse mehr auf die Bewegung der eigenen Hand oder auf ein Stück Schnur. Falls am Spielzeug interessiert, sind es nur bestimmte Spielsachen, die das Interesse wecken; und selbst diese werden eventuell in sich wiederholender Weise eingesetzt, was sich nicht mit der Art und Weise deckt, wie die meisten anderen Kinder mit dem Spielzeug spielen würde. Sie sind vielleicht mehr daran interessiert, ein Spielzeugauto umzudrehen und die Räder zu drehen, anstatt, das Auto hin-und herzuschieben. Im Groß und Ganzen sind die Qualitäten des Fantasiespiels bei Kindern mit Autismus unter 2 Jahren völlig abwesend.

Es ist wichtig zu bemerken, dass wir in jedem der 5 Bereiche die Verhaltensweisen gekennzeichnet haben, die uns am meisten beunruhigen, wenn dieses Verhalten abwesend oder nur in sehr kleinen Ansätzen zu beobachten ist. Die Abwesenheit eines Verhaltens ist schwieriger festzustellen als die Präsenz von atypischen Verhaltensweisen. Aber jegliche Bedenken in irgendwelchen, der oben aufgeführten Bereichen, sollten die Eltern dabei unterstützen, schnellstmöglich eine genauere Untersuchung auf Autismus hin einzuleiten.

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Warnsignale in Zusammenfassung


Diese folgenden Warnsignale von Autismus zeigen auf, dass eventuell ein Risiko für eine reguläre Entwicklung besteht und eine sofortige gründliche Einschätzung angestrebt werden sollte.

Warnsignale in der sozialen Interaktion / Kommunikation

  • Kein Lächeln oder anderer warmer, erfreuter Gesichtsausdruck mit 6 Monaten oder älter
  • Kein Austausch von Lauten, Lächeln oder anderen Gesichtsausdrücken mit 9 Monaten oder älter
  • Kein Babbeln mit 12 Monaten
  • Keine Gestik, wie z.B. Zeigen, Greifen, Winken mit 12 Monaten
  • Keine Worte mit 16 Monaten
  • Keine 2-Wort-Sätze, die auch eine Bedeutung haben (ohne zu imitieren oder zu wiederholen) mit 24 Monaten.
  • Jeglicher Verlust von Sprache, Babbeln oder soziale Fähigkeiten in jeder Alterstufe
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Mögliche Symptome von Autismus im Säuglingsalter

Nach einer Stude von Gillberg, ist es möglich, auch in Säuglingen Anzeichen von Autismus zu erkennen. Die Symptome, von denen am meisten berichtet wurde, lagen besonders im Bereich von Blicken, Hören und Spielen.

Blick

Vermeiden von Blickkontakt wird oft als Charakteristik für Kinder mit Autismus bezeichnet. Dieses Merkmal ist weniger wichtig als die unübliche Qualität des Blickes. Viele Kinder scheinen Personen nicht zu sehen und schauen daher nicht in deren Augen; aber bei einem Säugling mit Autismus erfolgt das Schauen kurzzeitig und aus dem Augenwinkel.

Gehör

Besonderheiten des Hörens scheinen besonders bedeutungsvoll zu sein. Bei vielen Kindern mit Autismus bestand in den frühen Lebensstufen die Vermutung, dass sie gehörlos seien. Nur bei wenigen besteht eine Gehörlosigkeit; dennoch reagieren sie nicht auf ihren Namen und scheinen von geräuschvolle Veränderungen im Umfeld nicht beeinflusst zu sein. Kinder mit Autismus scheinen sogar sehr laute Geräusche, die die meisten anderen Kinder zusammen zucken lassen würden, zu ignorieren. Dies könnte etwas mit einem generalisierten Desinteresse am Umfeld zu tun haben. Da Kinder mit Autismus auf bestimmte Geräusche sehr empfindlich reagieren, könnte dies mit einer ungewöhnlichen Wahrnehmung zusammen hängen. Zum Beispiel entwickeln Kinder mit Autismus eventuell eine Faszination für bestimmte Töne wie von einem aufgezogenen Spielzeug oder reagieren auf das Geräusch, verursacht durch das Entfernen der Verpackung eines Schokoriegels in größerer Entfernung. Andere Geräusche scheinen dann extremes Unbehagen zu verursachen, wie zum Beispiel Polizeisirenen oder das Bellen eines Hundes.

Soziale Entwicklung und Spiel

Bei Säuglingen sind Spiel und soziale Aktivitäten so direkt miteinander verbunden, dass gerade in dieser Entwicklungsstufe die Eltern bemerken, dass ihr Kind sich seltsam verhält. Säuglinge mit Autismus zeigen oftmals kein Interesse an den Spielen, die die soziale Interaktion mit den Eltern erfordern, die den meisten Säuglingen sonst gefallen würden.

Das Fehlen dieser gemeinsamen Tätigkeit scheint sehr bedeutungsvoll zu sein. Die Studie von Frith und Soares zeigt, dass Aussagen von Eltern mit Kindern mit Autismus ein Fehlen gemeinsamer Interessen und Tätigkeiten innerhalb des ersten Lebensjahres aufzeigen. Die Kinder zeigen nicht auf Dinge, die sie interessieren, nehmen keinen aktiven Anteil an Fingerspielen und wollen keine Tätigkeiten gemeinsam ausführen. Diese Anzeichen von Autismus wurden von den Eltern der Kontrollgruppe mit Kindern mit typischer Entwicklung nicht beobachtet.

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Überweisungen

Frühe Bedenken der Eltern in Bezug auf die Fortschritte in der Entwicklung des Säuglings, sollten unbedingt beachtet werden. Wenn eine Mutter Befürchtungen über die sozialen und emotionalen Reaktionen, sowie die Fähigkeiten in der Wahrnehmung ausspricht, sollten Fachleute in Alarmbereitschaft in Bezug auf Autismus sein. Angemessene Überweisungen zu Spezialisten für Kinder mit und ohne Entwicklungsstörungen könnten bedeuten, dass die Diagnose schneller als in der Vergangenheit gestellt werden kann. Während Säuglinge autistische Züge aufzeigen können, kann nur ein umfassendes diagnostisches Vorgehen aufdecken, ob sie Autismus haben oder Verhaltensattribute anderer Schwierigkeiten aufweisen.

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Einschätzung

Dies wird am besten in einer Einheit für Kinderentwicklung abgeklärt, da eine Variation von Experten benötigt wird, und die Zusammenarbeit im Team bessere Ergebnisse zur akkuraten Diagnose erbringt. Die Einschätzung beinhaltet eine Übersicht der Familiengeschichte, Schwangerschaft, Verhalten des Kindes und Fortschritte in der Entwicklung. Eine körperliche Untersuchung ist notwendig, um versteckte medizinische Bedingungen zu erkennen, die zu Abweichungen und / oder Verzögerungen in der erwarteten Entwicklung beisteuern.

Die Entwicklungsuntersuchung schließt Fein- und Grobmotorik ein, Sprache (Sprachverständnis, expressive Sprache und Lautproduktion), sensorische Wahrnehmung, soziale und emotionale Entwicklung, sowie das Spielen. Die Qualität der Entwicklung ist ein wichtiger Faktor der Einschätzung, deshalb ist es wichtiger, dass die Fähigkeiten eingesetzt werden und nicht, dass sie vorhanden sind. Zum Beispiel, ein Kind mit Autismus hat zwar die Fähigkeit Worte zu wiederholen, aber noch kein Verständnis für deren Bedeutung. Oder ein Kleinkind mit Autismus zeigt auf Dinge, aber mehr auf eine nicht – soziale Weise, als um die Aufmerksamkeit einer anderen Person darauf zu lenken.

Im Idealfall, sollten Kinder in ihrem alltäglichen Umfeld beobachtet werden, zum Beispiel zu Hause oder in der Tagesstätte / Kindergarten.

Die Diagnose von Autismus wird wahrscheinlich nicht innerhalb nur eines Untersuchungstermins erfolgen, besonders nicht, wenn das Kind noch sehr klein ist.

Enge Überwachung der Entwicklung und regelmäßige Einschätzungen sind notwendig, um einen vollständigen Überblick zu bekommen. Aber unabhängig von einer endgültigen Diagnose von Autismus oder autistischem Spektrum, kann den Kindern und deren Eltern Hilfe angeboten werden. Säuglinge, bei denen der Verdacht auf eine Entwicklungsstörung (Autismus/autistisches Spektrum) besteht, können Dienstleistungen, auf die einzelnen Bedürfnisse zugeschnitten, erhalten. Eltern können angeleitet werden, wie sie ihr Kind in den jeweiligen Entwicklungsabschnitten unterstützen können.

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