Hoch technologisches Gerät, eingesetzt, um die Augenverfolgung aufzuzeigen (high-technology eye-tracking headgear), lässt erkennen, dass autistische Kinder im Vergleich zu normal entwickelnden Kinder, das Gesicht der unterrichtenden Person weniger anschauen.
Oktober 7, 2008
(SACRAMENTO, Kaliforinien, USA) - Eine Studie von Wissenschaftlern am UC Davis M.I.N.D. Institute hat einen wichtigen Anhaltspunkt gefunden, warum Kinder aus dem autistischen Spektrum Schwierigkeiten in der Nachahmung anderer Personen haben. Sie verbringen weniger Zeit damit, das Gesicht der Personen zu beobachten, die neue Fähigkeiten vormachen.
Diese Studie wurde mit High-technology Eye-Tracking Kopfausrüstung und Software durchgeführt, die auf den Punkt genau ausmaß, worauf ein Kind bei einer Lernübung schaute. Die Forscher setzten einen Schauspieler ein, um eine Aufgabe auf dem Computerbildschirm zu demonstrieren.
"Wir haben festgestellt, dass die Kinder mit Autismus sich auf die Tätigkeiten der vorführenden Person konzentrierten und, dass sie viel seltener als normal entwickelnde Kinder das Gesicht des Demonstranten anschauten", sagte Giacomo Vivanti, ein Wissenschaftler nach der Doktorarbeit am M.I.N.D. Institut und der führende Autor. "Die normal entwickelnden Kinder haben eventuell das Gesicht des Vorführers betrachtet, um Information zu erhalten, was zu machen ist oder wie dies angemessen auszuführen ist; Kinder mit Autismus neigen weniger dazu, diese Information zu suchen. Dies ist eine wichtige Feststellung, weil Kinder mit Autismus Schwierigkeiten haben, von anderen zu lernen. Hier mag ein Teil der Lösung liegen, warum das so ist", sagt Vivanti.
"Imitation spielt eine wichtige Rolle darin, wie Kinder lernen, aber auch wie Personen gesellschaftlich interagieren", sagt die Wissenschaftlerin des M.I.N.D. Instituts und leitende Studienautorin Sally J. Rogers. Sie studiert die Beeinträchtigung in der Nachahmung seit mehr als 20 Jahren. "Dies ist ein Merkmal, das wir schon so früh sehen, wie ein Stellen der Diagnose von Autismus möglich ist; und es ist eines der Merkmale, das auch in leicht beeinträchtigten Erwachsenen vorhanden ist," sagt Rogers.
Eingeschränkte Nachahmung führt zu zusätzlichen Beeinträchtigungen im Mitteilen von Gefühlen, im imaginären Spiel, in der pragmatischen Kommunikation und im Verstehen von Gefühlszuständen anderer Personen. Seit Jahren dachten Wissenschaftler, dass Kinder mit Autismus und ähnlichen Störungen Schwierigkeiten im Lernen durch Imitation hatten, weil sie mangelnde motorische Fähigkeiten hatten, oder weil sie der vorgeführten Bewegung keine Aufmerksamkeit schenkten. Diese aktuelle Studie schliesst diese Hypothese aus.
"Wir verstehen nun mehr davon, wie die Defizite in der Nachahmung zustande kommen; und wir können deshalb eventuell, nach zusätzlichem Forschen, diese auch so anzugehen, damit Kindern mit Autismus geholfen werden kann, ein natürlicheres Repertoire von Verhaltensweisen zu entwickeln", berichtet Rogers, Forscherin von UC Davis und Professorin für Psychatrie und Verhaltenswissenschaften.
In dieser aktuellen Studie, die im Juni im Internet veröffentlicht wurde und im November im Journal of Experimental Child Psychology erscheinen wird; wurden 18 Kinder im Alter von 8-15 Jahren mit High-Functioning Autismus sorgfältig mit 13 normal entwickelnden Kindern abgestimmt. Während sie das spezielle Eye-Tracking Kopfset trugen, wurden den Kindern Videoclips gezeigt, die zwischen 7-19 Sekunden lang waren. Nachdem Anschauen der Clips, machten die Kinder die vorgeführten Bewegungen nach. Die Ergebnisse bestätigten frühere Forschung, dass Kinder mit Autismus im Vergleich zu den altersgemäß entwickelnden Kinder, Schwierigkeiten bei Imitationsübungen haben. Es wurde aber auch deutlich, dass Kinder mit Autismus, genauso wie andere Kinder, den demonstrierten Tätigkeiten Aufmerksamkeit schenkten. Damit wurde die Hypothese der mangelnden Aufmerksamkeit in Bezug auf Aufgabenstellungen ausgeschlossen. "Diese Feststellung ist ganz besonders wichtig", sagt Rogers. "Nun können wir diese Variable ausschliessen. Wir wissen, dass die Kinder die Aufgaben betrachten."
Forscher haben auch herausgefunden, dass das erfolgreiche Ausführen von Aufgaben von Kindern mit Autismus anstieg, wenn die Zeit erhöht wurde, die sie hatten, um diese zu betrachten; dies stand aber nicht im Zusammenhang mit der Grundfähigkeiten in der Motorik; damit wurde die Möglichkeit ausgeschlossen, dass ein Mangel in der motorischen Geschicklichkeit die Auswirkungen in der Imitation verursachen könnten.
Schliesslich zeigte die Studie, dass beide Gruppen der Kinder, ihre Aufmerksamkeit von der Tätigkeit auf den Vorführer lenkten, allerdings machten die Kinder mit Autismus dies viel seltener.
Rogers zufolge, deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass Imitation nicht nur ein Wiederholen einer Handlung ist, sondern das Verstehen des Anlasses für diese Tätigkeit.
"Diese Information wird durch unser Gesicht vermittelt", erklärt sie.
Rogers und Vivanti werden weiterhin versuchen zu verstehen, wie dieser Unterschied im Betrachten der Gesichter das unübersichtlichere Lernen und Verstehen beeinflusst.
"Wir schauen, wie Kinder sich Gefühle und Absichten betrachten, die durch das Gesicht der vorführenden Person übertragen werden. Und wir schauen auch, wie die Information der Gesichter durch das Schauen oder Nicht-Schauen das Verständnis und die Nachahmung der beobachteten Handlungen beeinflusst", sagt Vivanti.
Basierend auf diesen Studien, Vivanti und Rogers hoffen, dass sie eines Tages Studien entwickeln können, die darauf ausgerichtet sind, zu zeigen, ob oder ob nicht das Schauen in Gesichter ein wichtiger Teil des Nachahmungsprozess ist. "Es könnte sein, dass Menschen mit Autismus besser im Erkennen von Gefühlen sein könnten, sie beginnen vielleicht ganz natürlich, ihre Vorbilder so nachzuahmen, wie es auch andere Personen tun, sagt Rogers. "Falls es darum geht, wie man die Information vom Gesicht versteht, dann liefert es einem ein Ziel für die Intervention."
Das UC Davis M.I.N.D. Institut, in Sacramento, Calif., wurde 1998 als ein einzigartiges interdisziplinäres Forschungscenter gegründet, wo Eltern, Gemeindevorstände, Wissenschaftler, Ärzte und Freiwillige zusammenarbeiten, um Autismus und andere Neuroentwicklungsstörungen zu erforschen und zu behandeln.
Mehr Informationen über das Institut erhalten Sie im Internet: http://www.ucdmc.ucdavis.edu/mindinstitute/.
Vielen Dank für die Erlaubnis diesen Artikel zu übersetzen und zu veröffentlichen an: Phyllis Brown, Senior Public Information Officer, UC Davis M.I.N.D. Institute.
Verantwortlich für die Übersetzung: Silke Johnson
